Nach reiflicher Überlegung und Sichtung der Ausbeute von Monat Juni habe ich mich zu dem Entschluß durchgerungen das Projekt grundlegend anders zu gestalten. Ich habe auch mehrfach über Abbruch nachgedacht, doch das wäre mir jedoch zu schade gewesen.
Erstens hätte ich mir dann die Mühe der bisherigen Bilder umsonst gemacht, zweitens habe ich noch Ideen die ich umsetzen möchte, die aber in Form eines strikten “jeden Tag ein Bild” nicht zu machen sind. Selbstportraits sind leider keine Fleißarbeit wo man jeden Tag mal eben zwischendurch ein Foto machen kann. Wenn man immer das selbe Motiv fotografiert muß man den Rest abwechslungsreich gestalten.
Ich bin in dem halben Jahr an meine Grenzen gestoßen was die Qualität der Bilder betrifft. Ich habe leider einen zu hohen Anspruch und zu wenig Zeit das jeden Tag zu machen. Momentan beansprucht mich die familiäre Situation, wie ich beim Start des Projektes schon vermutet habe, ziemlich stark. In Kürze erwarte ich mein zweites Kind und dann würde es noch schwieriger werden, das jeden Tag mit der Qualität die ich mir wünschen würde umzusetzen. Anfangs war das Projekt mehr eine unverbindliche Spielerei, geriet aber dann zu einem Selbstläufer mit immer besseren Bildern und leider auch steigenden Erfolgsdruck. Den kann ich leider nicht ganz abschalten, auch wenn das ein Teil der Übung gewesen ist da entspannt heranzugehen. Ehrlich gesagt habe ich mir garnicht vorstellen können überhaupt so weit zu kommen, und das mit einigermaßen vorzeigbaren Bildern.
Bei meiner letzten Wortmeldung hatte ich noch irgendwie die Hoffnung die Kurve zu kriegen. Das war mehr die Angst zu scheitern. Aber ich würds nicht unbedingt als Scheitern ansehen. Ich denke mir, wenn ich ab und zu einen Tag wirklich mal das umsetze was ich will, und mir die Zeit nehme dann ist das mehr in meinem Sinne, als wenn ich mich jeden Tag irgendwie quäle.
Ich möchte die 365 voll machen. Die erste Hälfte davon ist mit den täglichen Selbstportraits fast erledigt. Die zweite Hälfte, oder besser gesagt 215 Bilder sind noch über. Dafür setze ich mir keine Regeln, keine zeitlichen Vorgaben. Ich will nur, dass sie gut aussehen oder von der Idee gut sind. Dazu braucht es aber Zeit und vor allem keinen inneren Druck. Wann das Projekt dann abschließend fertig sein wird kann ich nicht abschätzen. Aber der tägliche Part ist beendet.
Wie ich anfangs schon schrieb habe ich mir die Bilder vom Juni angesehen, und mit Ausnahme von 2 oder 3 Bildern können die nicht ansatzweise mit den bisherigen mithalten. Die Luft war raus. Teilweise nur unmotivierte, blind aus der Hüfte geschossene Schrottbilder. Wahrscheinlich war mir unterbewußt schon klar, dass ich es so nicht durchhalten kann. Also war dieser Schritt schon etwas überfällig.
Als ich vor ein paar Tagen kein Bild mehr gemacht habe war das schon ein ziemlich seltsames Gefühl, als wenn was fehlt.
Nochmal zusammenfassend:
Ich habe es nicht aufgegeben sondern nur verändert. Ich denke der Schritt ist verständlich.
Bin mir noch nicht sicher ob ich die “gescheiterten” Bilder von Juni als Übersicht nochmal fertigmache. Mehr oder weniger unbearbeitet. Aber ein paar davon werde ich zu den 200 restlichen packen und dann gibts in unregelmäßigen Abständen Uploads.
An der Stelle muß ich leider noch etwas um Geduld bitten bis die nächsten Bilder kommen. Immerhin habe ich jetzt keine ungeheure, mich erschlagende, Anzahl von Bildern nachzubearbeiten. Daher sollte das nicht allzulange dauern bis zum nächsten Bild. Und mit der Last die mir insgesamt jetzt genommen ist machts dann auch wieder Spaß.
Als letztes tägliches Bild passt Nummer 150 ganz gut – ausgebrannt und fertig